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Der lächelnde Kaffee....

Die junge Frau war mir erst vor ein paar Wochen aufgefallen. Ich saß wie jeden morgen in meinem bevorzugten Cafe. Mit meinem Capucchino und dem dazugehörigen kleinen Frühstück, mit einem Brötchen, einem Hörnchen etwas Butter und Marmelade, beobachte ich immer das Leben auf der Straße, bevor ich mich dann ins Büro begebe und dem täglichen Wahnsinn hingebe, und so das Geld zu verschaffen, um die nach dem Job wenigen verbleibenden Freizeitstunden angenehm zu gestalten. Der tägliche Wahnsinn - das sind Kollegen die als Trohnflüsterer und Stuhlsäger den Tag verbringen und Mitarbeiter die nicht wirklich wissen was ihr Job ist oder das man nicht nur für das Erscheinen am Arbeitsplatz Geld bekommt. Wenigstens lässt mich mein Boss weitestgehend in Ruhe - wenigstens so lange wie ich funktioniere. Und das tue ich, bescheiden gesagt, recht gut.
Trotzdem ist es nicht das wahre Ich, welches in meinem Büro, an meinem Schreibtisch und auf meinem Bürostuhl sitzt. Mit aller Gewalt halte ich mein Innerstes für mich und halte es so: Privat ist Privat und Job ist Job! Es ist kein direktes Verstellen - eher ein nicht alles sagen oder preisgeben....
So erhalte ich mir eine Art Überlegenheit gegenüber denen die einen Großteil meines Lebens bestimmen. Immer dann wenn es eben mal nicht gut läuft und der Druck und ärger größer werden. So gut wie ich meinen Job auch immer mache, es gibt da dann immer jemanden der seinen, eben nicht gut genug macht und ich dann dafür verantwortlich bin.
Aber all das hat nichts zu tun mit meinem zu beobachtenden "Objekt". Die junge Frau - ist nicht besonders hübsch, aber sie hat so etwas... unbeschreibliches etwas interessantes... es ist eins der Gesichter deren Besitzer man gerne fragen würde was er in seinem Leben schon alles erlebt hat. Sie ist Kellnerin im Cafe schräg gegenüber. Ob sie bevor sie mir das erste mal auffiel schon dort gearbeitet kann ich nicht sagen, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern.
Während ich erst langsam in den Tritt gekommen bin - zu Hause vor dem Badezimmerspiegel, hatte sie schon lange das Cafe auf den morgendlichen Ansturm vorbereitet, Tische und Stühle platziert. Zuckerstreuer, Löffel, Tassen sortiert und eingeräumt und adrett und ansehnlich präsentiert. Die ersten Kunden freundlich begrüßt und mit dem gewünschten versorgt.
Immer wieder verschwindet sie mit Bestellungen und taucht kurze Zeit später mit diversen Kaffes, Capucchinos, kleinen, großen und mittleren Frühstücksarragements auf. Bei jeder neuen Lieferung schaut sie ihre Kunden an und - lächelt.
Fühlt sie sich wirklich so? So - fröhlich, heiter ?
Das frühe Aufstehen. Nörgelnde Kunden. Die ihren Unmut über das frühe Aufstehen nicht verbergen, oder von Prinzip her einfach nur unfreundlich sind.
Weil so etwas zu ertragen ja einfach zum Service dazu gehört. Weil man für seine 3,95 € ja nicht nur die Cafe Latte sondern gleich die Bedienung mitkauft. Da kann man gerne mal etwas mürrisch Beschwerden über die nicht korrekte oder ausreichende Höhe des Milchschaumes äussern.
Doch sie: Lächelt nur - nimmt die Reklamation entgegen und versucht es wieder hinzubiegen.
Dabei hat sie selbst genug am Hals. Ihr Mann der seit Monaten nach Arbeit sucht. Jeden Tag depremiert zu Hause rumsitzt. Weil sich's eh nicht mehr lohnt wirklich nach Arbeit zu suchen. Das Fernsehprogramm inkl. sämtlicher schwachsinnigen Nach- und Spätnachmitag - Formate, in- und auswendig kennt, und das ganze dann auch noch zur vierten oder fünften Wiederholung. Der keine Veranlassung sieht sich um Haushalt oder Kinder zu kümmern. Weil das einfach nicht zu seinen Aufgaben gehört. Die Kinder - deren Noten die immer schlechter werden und die häufigen Besuche in der Schule weil wieder etwas passiert war.
Über die Strasse kann ich ihre Augen erkennen. Durch die vorbeifahrenden Autos hindurch, die wie graue Schleier nur kurz das Bild stören. Sie lächelt hier, aber ihre Augen ruhen auf einem Punkt in weiter Ferne. An einem Punkt der nicht wirklich sichtbar ist - einem Punkt der kein anderer Ort sondern eine andere Zeit ist. Die Zeit in der sie noch wirklich glücklich war. Ihr Mann noch einen guten Job hatte und er für Fernsehprogramme keine Zeit hatte, weil er seine Freizeit mit ihr und den Kindern verbringen wollte.
Einer Zeit, wo ihr Job Beschäftigung, und nicht Existenzerhalt bedeutete.
Ihr Kopf dreht sich zur Seite, wieder nickt sie dem älteren Herrn zu. "Etwas Milch noch? Gerne - bring ich gleich..."
Sie lächelt und wird ihm gleich noch etwas Milch bringen - anstatt sich zu bedanken wird er sie schon gar nicht mehr wahrnehmen.
Heute Abend wird sie müde und kaputt mit dem Bus nach Hause fahren. Die fünfzig Minuten Busfahrt sind ihre einzigen "Wellnessmomente". In einem vollgestopften Bus umgeben von leichten Schweißgeruch und beschlagenen Fenstern. Sie wird nach Hause kommen, die Haustüre aufschliessen und gleich beim hineinkommen über die leeren Bierflaschen stolpern, die er schon vorgestern wegräumen sollte. Sie wird die fehlende Begrüßung wie immer ignorieren und gleich nachdem sie ihre Jacke aufgehängt hat in die Küche gehen. Sie weiß auf dem Weg dorthin wird sie die Frage hören wann denn endlich mit dem Essen zu rechnen ist, gefolgt von dem Hinweis das nur noch zwei Flaschen Bier im Hause sind.
Das Chaos auf dem Küchentisch vernimmt sie teilnahmslos, mit stoischer Gelassenheit wird sie es beseitigen und gegen saubere Teller, Messer, Gabel und Gläser ersetzen.
Sie weiß schon jetzt - Was auch immer sie zubereiten wird, es wird nicht gut genug oder schon viel zu oft gekocht worden sein. Und sie weiß das dies die wahrscheinlich letzten Worte an diesem Tag sein werden die sie hören wird. Ausgenommen die Stimmen aus dem, bis spät in der Nacht laufenden Fernseher. Die Stimmen die sie bis oben in den ersten Stock hörend, in den Schlaf begleiten werden. Einem unruhigen, oberflächlichen Schlaf der zu kurz sein wird um sich vom Alltag zu erholen.
Bevor sie endgültig in den Schlaf sinkt schaut sie an die Zimmerdecke, und wieder fixiert sie einen Ort in weiter Ferne, eine andere Zeit. Vernimmt die Geräusche und Gerüche vergangener Erlebnisse - erinnert sich, und zum letzten mal an diesem Tag - Lächelt Sie.
...
Ich dagegen bin nach meinem Frühstück gleich ins Büro. Kurz nach dem Check der täglichen E-Mail-Flut hatte ich einen Termin bei meinem Boss. Wieder mal musste ich den Kopf hinhalten für die Unfähigkeit anderer und mir die meinige vorhalten lassen. Aber ich: Lächelte nur!
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--- 18.01.2009 ---

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